Industrielle Revolution im Brauwesen: Firma Kaspar Schulz

Oktober 23, 2026

Kaspar Schulz und die industrielle Revolution

Unter der Leitung von Namensgeber Kaspar Schulz florierte die Firma, so dass die räumlichen Verhältnisse im Stammhaus Unterer Kaulberg 15 inmitten der inzwischen zum UNESCO Welterbe erklärten Altstadt von Bamberg, wo der Betrieb von Beginn an ansässig war, immer beengter wurden. Als die Nachfrage an Produkten der Firma Kaspar Schulz immer weiter anstieg, entschied sich der damalige Geschäftsführer schließlich, in die Innenstadt Bambergs umzuziehen. Mit dem Umzug auf das deutlich größere Gelände begann auch die erste Phase des Wandels hin zu einem modernen Industriebetrieb.

In den 20ern des vergangenen Jahrhunderts erweiterte das Unternehmen ihr bisheriges Angebot noch weiter und begann mit dem Anlagen- und Apparatebau. Inzwischen wurde der Betrieb von Adalbert Schulz (1888–1985) geführt, der nicht nur wie seine zahlreichen Ahnen vor ihm ausgebildeter Kupferschmied war, sondern in Hannover zudem auch noch Maschinenbau studiert hatte. Er führt die Firma mit dieser Ausbildung von einem traditionellen Handwerksbetrieb hin zu einem modernen industriellen Betrieb. Kaspar Schulz produzierte nach dem Umzug u.a. Mälzereimaschinen und Destillierapparate, aber auch über die Herstellung von immer weiter entwickelter Brauereitechnik hinaus baute das Unternehmen den Apparatebau weiter aus. So produzierte und wartete Kaspar Schulz auch zur Desinfektion einsetzbare Sterilisationsapparate, welche international von Krankenhäusern bestellt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die erfolgreiche Firma nach und nach an den heutigen Standort am Stadtrand von Bamberg verlegt und die immer moderneren Produktionsstätten stetig weiter ausgebaut. 1968 übernahm Günter Schulz-Hess die Führung des Unternehmens, das damit bereits in der 9. Generation geführt wurde. Auch der neue Geschäftsführer war Maschinenbauingenieur und setzte mit seiner Arbeit Meilensteine in den Bereichen der Computerisierung und Automatisierung von Brautechnik. 1976 wurde die erste vollautomatische Sudhaussteuerung bei Kaspar Schulz entworfen und umgesetzt.

Das Verwaltungsgebäude von Kaspar Schulz (Quelle: Kaspar Schulz)

Das Verwaltungsgebäude von Kaspar Schulz (Quelle: Kaspar Schulz)

Ein Segen für die Biervielfalt

Ab 1985 begann das Unternehmen mit der Produktion von Erlebnis- und Gaststättenbrauereien. Unter der Leitung von Günter Schulz-Hess förderte man im In- wie im Ausland einen Trend zur Neugründung von kleinen und mittleren Brauereibetrieben. Dieser Trend schuf in der Folge natürlich auch eine größere Vielfalt an auf dem Markt verfügbaren Biersorten. Spätestens aufgrund dieses Einwirkens ist die Firma Kaspar Schulz aus der deutschen wie der internationalen Bierkultur nicht wegzudenken. Mit der Entwicklung Erlebnisbrauereien gelang ihnen der große Durchbruch im Exportgeschäft. Inzwischen hat das Familienunternehmen rund 400 Gasthaus- und Erlebnisbrauereianlagen realisiert und ist damit eindeutiger Marktführer in diesem Bereich.

Mit der Spezialisierung auf die Ausstattung kleiner und mittlerer Brauerein wirkte die Firma Kaspar Schulze dem zuvor oftmals beklagten Brauereisterben entgegen. Das Unternehmen profitierte von dieser Förderung und trug so zur wieder wachsenden Beliebtheit von lokalen und regionalen Biersorten bei. Kaspar Schulz hat mit den Erlebnisbrauereien einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen, dass sich in vielen Regionen wieder eine neue Biervielfalt etabliert hat. Dabei sind die Brauereitechnik-Spezialisten nicht nur hier in Deutschland erfolgreich, sondern beinahe auf der ganzen Welt tätig. Die Bamberger Experten hat z.B. ebenso eine kleine Microbrauerei in Brasilien aufgebaut wie auch eine Regionalbrauerei in La Rochelle in Frankreich. Auch die Nachfrage aus der Schweiz und anderen Ländern mit geringerer Brauereivielfalt ist hoch.

Heute leitet Johannes Schulz-Hess die Firma und ist stolz auf das Alleinstellungsmerkmal der hundertprozentigen Fertigung der Brauereianlagen im eigenen Haus. Das Unternehmen verzichtet bewusst auf Outsourcing und wirbt damit, alle Anlagen gemäß Kundenwunsch individuell zu konzipieren. Das Konzept geht eindeutig auf: 2014 erzielte Kaspar Schulz einen Gewinn von ca. 15 Millionen Euro. Nach wie vor entwickelt man in der Firma die Brauereitechnik immer weiter. Eine der bedeutendsten Neuerungen der jüngeren Vergangenheit war die Ausarbeitung eines neuen Würzekochverfahrens. Mit dem neu entwickelten Schonkochverfahren können Brauereien nicht nur die Qualität der Würze erheblich steigern, sondern zugleich auch noch ca. 60 Prozent der bislang zum Würzekochen benötigten Energie einsparen. 2014 hat die Firma Kaspar Schulz die Produktionsfläche ein weiteres mal beträchtlich erweitert und ist so auch dem nach wie vor anhaltenden internationalen Bedarf an regionalen Craft-Brauereien gewappnet.

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